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Ich besuche eine 80jährige Frau, die in einem kleinen Kaff im Weinviertel lebt. Mir öffnet eine schwarze Frau, also nicht politisch schwarz, das sieht man ja den Menschen nicht auf den ersten Blick an, sondern mit schwarzer Hautfarbe. Das ist im Gegensatz zum politischen Schwarz, welches ja neuerdings mit Türkis überpinselt ist, im Weinviertel noch immer ziemlich selten.

„Sie sind die 24-Stunden-Betreuerin?“, frage ich.
„Nein, die Schwiegertochter.“
Scheiße. Ich dachte immer, ich wäre halbwegs frei von Klischees. Ich entschuldige mich wortreich und schäme mich.

 

„Wann ist denn Ihr Mann gestorben?“, frage ich die alte Frau einfühlsam, weil im Akt steht, dass sie verwitwet ist.
Sie schaut mich böse an. „Der Karl ist nicht gestorben“, sagt sie, „der lebt noch. Er hat nur grad keine Zeit.“

 

 

Als nächstes zu einem jungen Mann. Der hätte - im Gegensatz zu der alten Frau - gern einen Sachwalter. Oder noch besser, eine Sachwalterin. „So eine wie Sie“, sagt er und lächelt verlegen. Warum er unbedingt eine Sachwalterin will? Er kommt in seinem Leben gut zurecht, hat keine Schulden und ausreichend Unterstützung seiner Betreuer.
„Ich kann nicht so gut mit Geld umgehen“, sagt er.
Na und? Ich auch nicht.

 


Später dann zu einer 95jährigen Frau, in einem anderen Dorf.
„Sind Sie die Schwiegertochter?“, frage ich die slowakische Frau, die mir öffnet. Nicht noch mal den gleichen Fehler machen.
Sie lacht. „Nein, ich bin Anna, Pflegerin. Oma immer sehr lieb. Kein Problem mit Oma.“

Die alte Dame sitzt in der Küche und tunkt ihr Kipferl in den Kaffee. Meine Oma hat das auch immer gemacht, und ich auch, als ich bei ihr war. Die Kipferl wären sonst auch viel zu trocken gewesen. „Aber ich hab nicht mehr viel Appetit“, sagt die alte Frau, „mit 95 kann man dann schon mal sterben.“
Sie wirkt zufrieden und blättert in der Illustrierten. „Hier leben 4 Generationen“, erzählt sie stolz, „und wenn man ein bissl Rücksicht aufeinander nimmt, dann funktioniert das auch.“

 

Und dann sagt sie etwas, das mich sehr berührt. Sie sagt nicht „ich hab es warm und sauber hier und bin satt“, sie sagt auch nicht, dass sie geliebt wird oder gut umsorgt.

„Wissen Sie, ich werde hier beachtet“, sagt sie.

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